Im Energievertrieb spart künstliche Intelligenz dort am meisten Zeit, wo heute abgetippt wird: beim Auslesen von Stromrechnungen, beim Vorbereiten von Angeboten und bei den ersten Antworten auf Kundenfragen. Entscheiden sollte weiter ein Mensch: über den Preis, über das, was an den Kunden rausgeht, und den Abschluss bestätigt der Kunde selbst.
Stromrechnungen lesen statt abtippen
Eine Stromrechnung enthält alles, was ein Angebot braucht: Jahresverbrauch, Arbeits- und Grundpreis, bisherigen Anbieter, Zählernummer und Marktlokations-ID. Abgetippt dauert das Minuten und bringt Zahlendreher. Eine KI liest dieselben Werte aus einem PDF oder Handyfoto in Sekunden.
Gute Systeme tun dabei zweierlei mehr: Sie prüfen, ob die Werte zusammenpassen, etwa Verbrauch, Zeitraum und Betrag, und sie markieren, was sie nicht sicher lesen konnten, statt zu raten. Seit dem 24-Stunden-Lieferantenwechsel zählt jede Ziffer.
Angebote vorbereiten
Aus den gelesenen Daten rechnet die Software sofort, was der Kunde mit Ihren Tarifen zahlt. Die Rechnung selbst macht dabei keine KI, sondern ein festes Rechenwerk, das bei gleichen Daten immer dasselbe Ergebnis liefert. Ihren Aufschlag legen Sie selbst fest.
Erste Antworten auf WhatsApp und per E-Mail
Viele Kunden schicken ihre Rechnung heute per WhatsApp. Eine KI kann die Antwort entwerfen, mit dem Angebot, den offenen Fragen oder einem Terminvorschlag. Ein Mitarbeiter liest den Entwurf, passt ihn an und schickt ihn ab. So bleibt die Antwort schnell und trotzdem verantwortet.
Wo KI nicht entscheiden sollte
- Beim Preis. Tarif und Aufschlag sind eine geschäftliche Entscheidung.
- Beim Abschluss. Den Vertrag bestätigt der Kunde selbst, in Textform.
- Bei Einwilligungen. Ob ein Kunde Werbeanrufe erlaubt hat, muss nachweisbar sein (§ 7a UWG), nicht geschätzt.
- Bei allem, was der Kunde nicht nachvollziehen kann. Ein Angebot muss sich erklären lassen.
Transparenz und Datenschutz
Wenn ein Kunde mit einem KI-System schreibt oder spricht, soll er das wissen; die KI-Verordnung der EU verlangt diese Transparenz (Art. 50). Für die Daten gilt die DSGVO wie für jede andere Software. Fragen Sie Ihren Anbieter:
- Welche KI-Dienste sind beteiligt, und wo werden die Daten verarbeitet?
- Werden Kundendaten zum Training von Modellen verwendet?
- Nennt der Vertrag zur Auftragsverarbeitung auch die KI-Dienste?
- Wie lange werden Rechnungen und Fotos gespeichert?
Wie unsere Software KI einsetzt, steht auf der Seite Software für den Energievertrieb.
Häufige Fragen
Ersetzt KI den Vertrieb?
Nein. Sie nimmt Routinearbeit ab, damit mehr Zeit für Beratung und Abschluss bleibt. Wer kauft, will mit einem Menschen sprechen, dem er vertraut.
Wie zuverlässig liest KI Stromrechnungen?
Gut lesbare Rechnungen liest sie zuverlässig. Entscheidend ist, dass die Software unsichere Werte erkennt und nachfragt, statt sie zu erfinden.
Muss ich Kunden sagen, dass KI im Spiel ist?
Wenn der Kunde direkt mit einer KI schreibt oder spricht, ja. Wenn eine KI im Hintergrund eine Rechnung ausliest, gehört das in Ihre Datenschutzinformation.
Quellen: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 50; § 7a UWG (Einwilligung in Telefonwerbung). Dieser Artikel gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.