Als Vermittler bekommen Sie für einen Stromvertrag meist einmal eine Provision, und der Kunde gehört danach dem Versorger. Mit White Label verkaufen Sie unter Ihrer eigenen Marke und verdienen an jeder Kilowattstunde, solange der Kunde beliefert wird. Der Unterschied liegt in drei Dingen: wem der Kunde gehört, wie lange Sie verdienen und was Ihr Bestand wert ist.
Wie Provisionen im Stromvertrieb funktionieren
Wer Stromverträge vermittelt, arbeitet meist mit einer Abschlussprovision: Für jeden neuen Kunden zahlt der Versorger einmal einen festen Betrag. Manche zahlen zusätzlich eine kleine Bestandsprovision, viele nicht. Typisch sind drei Dinge:
- Der Kunde gehört dem Versorger. Er schließt bei dessen Marke ab, bekommt dessen Post und spricht bei Fragen mit dessen Kundenservice.
- Stornohaftung. Widerruft der Kunde oder kündigt er früh, kann der Versorger die Provision zurückfordern.
- Die Konditionen bestimmt der Versorger. Senkt er die Provision oder nimmt er einen Tarif vom Markt, bleibt Ihnen nur der Wechsel zum nächsten Anbieter.
Wie die Marge beim White Label funktioniert
Beim White Label legen Sie pro Tarif einen Aufschlag in Cent pro Kilowattstunde fest. Ihre Marge ist dieser Aufschlag mal dem Verbrauch Ihrer Kunden, Jahr für Jahr, solange sie beliefert werden.
Marge pro Jahr = Jahresverbrauch × Aufschlag
| Ein Haushalt, 3.500 kWh im Jahr, 2,0 ct/kWh Aufschlag | Ihre Marge |
|---|---|
| Im ersten Jahr | 70 € |
| Nach drei Jahren | 210 € |
| Nach fünf Jahren | 350 € |
| 500 solcher Kunden, pro Jahr | 35.000 € |
Beispielwerte. Ihr Aufschlag hängt vom Tarif und Ihrer Kalkulation ab. Je höher er ist, desto kleiner ist die Ersparnis Ihres Kunden. In der Software sehen Sie beides nebeneinander.
Warum die eigene Marke mehr wert ist
Der Kunde bleibt Ihr Kunde
Er hat bei Ihrer Marke abgeschlossen, kennt Ihren Namen und meldet sich bei Ihnen, wenn die nächste Preisrunde kommt. Damit entscheiden Sie, welches Angebot er dann bekommt, und nicht ein Callcenter.
Sie verdienen, solange er bleibt
Eine Provision ist mit dem Abschluss verdient und mit dem Storno wieder weg. Eine Marge wächst mit jedem Jahr, in dem der Kunde bleibt. Gute Betreuung zahlt sich damit direkt aus.
Ihr Bestand bekommt einen Wert
Ein Bestand mit laufenden Einnahmen lässt sich planen, finanzieren und im Zweifel verkaufen. Eine Liste vermittelter Verträge fremder Marken bringt nach dem Abschluss meist nichts mehr ein.
Warum gerade jetzt
Der Strommarkt ist in Bewegung. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur konnten Haushalte 2024 zwischen 139 Stromanbietern wählen. Rund 7,1 Millionen Stromkunden haben in dem Jahr ihren Anbieter gewechselt, eine Wechselquote von rund 14 Prozent. Gleichzeitig lag der Anteil der Kunden in der Grundversorgung noch bei rund 22 Prozent.
Wer wechselt, sucht Orientierung; wer in der Grundversorgung steckt, braucht einen Anstoß. Beides gelingt leichter mit einem Namen, dem der Kunde schon vertraut: dem seines Energieberaters, seines Maklers oder des Betriebs, der ihm die Solaranlage gebaut hat.
Wann eine Provision trotzdem passt
Wenn Strom für Sie ein seltenes Nebenprodukt ist, Sie nur wenige Verträge im Jahr vermitteln und keine Kundenbeziehung pflegen wollen, ist die einmalige Provision einfacher. Sobald Sie einen Bestand haben, mit dem Sie jedes Jahr sprechen, lohnt sich die eigene Marke.
Umsteigen, ohne etwas aufzugeben
Sie müssen nicht von heute auf morgen umstellen. Bestehende Verträge laufen weiter, neue Kunden schließen bei Ihrer Marke ab, und Bestandskunden sprechen Sie zum Vertragsende an. Wie das im Alltag aussieht, steht auf der Seite für Energiemakler.
Häufige Fragen
Kann ich weiter fremde Tarife vermitteln?
Ja. Die eigene Marke ist ein zusätzliches Angebot. Sie entscheiden, welchem Kunden Sie welchen Tarif anbieten.
Was passiert mit meiner Marge, wenn ein Kunde wechselt?
Sie endet mit der Belieferung. Deshalb lohnt es sich, Kunden aktiv zu betreuen: Wer zum Vertragsende ein gutes Angebot von Ihnen bekommt, hat wenig Grund zu gehen.
Wer trägt das Risiko steigender Einkaufspreise?
Der Energieversorger kauft den Strom ein und trägt das Beschaffungsrisiko. Sie entscheiden über Ihren Aufschlag.
Ist eine Marge pro Kilowattstunde schlecht für meinen Kunden?
Nicht, wenn sie fair ist. Sie bestimmen den Aufschlag selbst und sehen beim Angebot, wie viel Ersparnis Ihrem Kunden bleibt.
Quellen: Bundesnetzagentur: Monitoringbericht 2025, Pressemitteilung vom 26.11.2025. Dieser Artikel gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.